Raumausstattung: Bereits bei der Auswahl des Raumes, des Bettes usw. setzt die Frühförderung ein. Zunächst muss in einem geeigneten Raum eine ruhige Stelle für das Bett des Säugling gesucht werden. Auch der Kauf des Kinderbettes bedarf der Überlegung. Die Seitenwände sollten dem Säugling das Hinaussehen in den Raum ermöglichen. Am geeignetsten erscheint ein Gitterbett, das durch die Abstände der einzelnen Gitterstäbe genügend Sichtmöglichkeiten bietet. Später dienen die Stäbe als Anregung zum Greifen und Hochziehen. Aus diesem Grund ist auch ein Bett, das mit elastischen Gumminetzen umgeben ist, unzweckmäßig. Das Kind kann darin zwar gut sehen, aber bei seinen ersten Greifversuchen wird es sich mit seinen Händen leicht in dem Netz verfangen. Dieses negative Erlebnis bringt die Gefahr mit sich, dass das Kind in seiner Aktivität nachlässt. Beim Kauf des Bettes ist weiter darauf zu achten, dass es leicht zu bewegen ist, damit es in einen anderen Raum gebracht werden kann, um dort neue Eindrücke zu ermöglichen. Gerade bei geistig-behinderten Kindern ist eine ausreichende Anregung von besonderer Bedeutung um jede „Unbeweglichkeit“ zu vermeiden. Ebenso ist bei dem Kauf eines Laufgitters darauf zu achten, dass Stäbe dem Kind ein Hochziehen erlauben. Bei der Verwendung von Laufgitter, Kinderstuhl etc. Muss man sich aber klar darüber sein, dass sie auch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit und damit der Kontaktmöglichkeiten mit der Umwelt bewirken. Natürlich gibt es Situationen, in denen es gerechtfertigt ist, einen „Laufstall“ zu verwenden. Die Eltern sollten aber bedenken, dass leicht die Gefahr besteht, das Kind viel länger darin zu lassen, als es nötig wäre. Hat das Baby bereits ein eigenes Zimmer, so sollte es ansprechend tapeziert sein, bunte Bilder und andere Gegenstände gehören ebenfalls in das Kinderzimmer, selbst wenn das Kind noch klein ist und scheinbar noch nichts davon bemerkt. Eintönigkeit muss vermieden werden, denn der geistigbehinderte Säugling, der oft ruhiger ist als andere Kinder, soll aktiviert werden.
Tagesablauf: Je ruhiger das geistig-behinderte Kind ist, um so weniger Anregungen wird seine Umwelt ihm bieten, und aus Mangel an Anregungen wird es immer ruhiger werden. Diese Gefahr muss Pädagogen und Eltern bewusst sein, damit sie das Ruhigsein des Säugling nicht begrüßen und verstärken. Schon im ersten Lebensmonat müssen dem Kleinkind Anregungen geboten werden. Der Tagesverlauf macht deutlich, dass die anfangs kurzen Zeiten des Wachseins mit den Möglichkeiten der Frühförderung identisch sind. Beim Baden und Wickeln ergeben sich Gelegenheiten , den ersten Kontakt zum Kind aufzunehmen. Dabei ist zunächst der Hautkontakt von besonderer Bedeutung. über Tast- und Wärmeerlebnisse (taktiles Empfinden) nimmt das Kind die Mutter wahr.
Daher muss sie ihrem Kind ausreichend Zuwendung durch körperliche Nähe gewähren. | Die ständige Wiederholung dieses Beisammenseins schafft im Kind allmählich das Gefühl der Geborgenheit. Ist das Kind etwas älter sind mehrmalige bewußt gestaltete Spaziergänge sehr gut. Die Fördermaßnahmen sollen aber keineswegs so in den Vordergrund rücken, dass man das Kind sogar zu einer bestimmten Zeit aus dem Schlaf weckt. Das ist nicht notwendig. Im Allgemeinen bewähren sich einfach gewohnheitsmäßige Tätigkeiten, Struktur und Wiederholung im Umgang mit behinderten Kindern, und auch Erwachsenen. D.h. nicht, dass Unflexibilität in den Alltag treten muss. Man sollte sich keineswegs überfordern, nicht zugunsten des Kindes auf den eigenen Rhythmus vollständig verzichten, sondern gemeinsam nach freudvollen Aktivitäten suchen. Um dem geistig-behinderten Säugling Reaktionen zu entlocken, muss man ihm Reize bieten. Jede positive Beantwortung des Reizes ist als Zuwendung anzusehen; dabei ist zunächst nicht genau zwischen Dingen und Menschen zu unterscheiden. „Für ein kleines Kind sind alle Dinge im höchsten Maße persönlich, und umgekehrt werden Personen gern als Dinge angesehen“. Man sollte sich also über jede Reaktion des geistig-behinderten Kleinkindes freuen und diese Freude dem Kind auch zeigen, es anlächeln und zustimmen.
Spiel und Spielzeug: Geistig-behinderte Kinder spielen meist weniger, deshalb benötigen sie umso mehr Anregung und bewusst gestaltete Spielsituationen. Auch sind mehr Erklärungen notwendig, über Beschaffenheit und Funktion eines Spielzeuges, und den Umgang damit. Das Spiel als eine form der Frühförderung sollte wegen seiner vielfältigen Anregungsqualitäten besonders gepflegt werden. Es lässt sich z.B. die Aufmerksamkeit des Kindes in ganz einfachen Spielübungen anbahnen. Die Auswahl des Spielzeugs soll sehr bewusst geschehen. Sie müssen dem Entwicklungsalter des Kindes entsprechen. Die Farben sollten klar und leuchtend sein, damit sie das Kind ansprechen. Es sollte auch interessant und anziehend sein, und nicht langweilig und stereotypiefördernd. Besser einige wenige Gegenstände, die besonders funktionell und phantasieanregend sind.
Spielzeug für das erste Lebensjahr: (auf Vorschlag von H. Hetzer). In die Nähe des Bettes sollten in den ersten Monaten bunte Gegenstände aufgehängt werden: Luftballon, Windrad, Mobilé. .Am Bett selbst kann eine Kugelkette befestigt werden. Als weitere Gegenstände folgen: Rassel, Klapper, Beißring, Gummitiere, Teddy, Stofftiere, Schwimmgegenstände, Trommel, Ball, Hohlwürfel und Schachteln zum Öffnen. Auch andere Haushaltsgegenstände, die die oben erwähnten Kriterien erfüllen, können als Spielzeug dienen. Man darf dem Kind aber nicht zuviel Spielzeug auf einmal geben, um eine Reizüberflutung zu vermeiden.
(Literatur: Früherziehungsprogramme, Heinz Bach) |