Lauter kleine Engelsköpfe saßen vergnügt auf den Osterwolken und ließen sich über den Himmel treiben, es können an die hundert gewesen sein. Und jedes hatte sein Bettchen gleich neben sich. Auf einmal kam eine dicke Wolke, die eilig unter ihnen dahinfloh. Die gute Frau Holle und ihre Tochter Ostara saßen auf ihr; sie hatten dem Teufel einen Schabernack gespielt, und der blies vor Wut und blies die beiden, so weit er konnte. Aber die Frauen lachten nur auf ihrem Wolkenschiff und freuten sich, dass sie den Bösen in die Irre geführt und vergeblich über hundert Steine und Gräben hatten springen lassen.
Dabei sahen sie auf einmal über sich all die neugierigen Engelsgesichter. Und Ostara, die gerade ihr Namensfest feiern, und die Blumen auf Erden begrüßen wollte, lud in ihrer Fröhlichkeit rasch all die kleinen Engelsköpfe zu sich ein. Husch und hupp, hüpften die von ihren weißen Wölkchen auf Frau Holles und Frau Ostaras großes Wolkenschiff; es ging an, denn der Böse hatte sich just alle Luft aus der Lunge geblasen und hustete. Wirklich landeten die beiden Frauen mit ihren Gästen genau vorm Hof der schönen jungen Ostara. Der ganze Garten rundum wartete, die Wiesen waren voll von den ersten Veilchen und Osterblumen, Tische mit Kuchen standen vor der Haustür, und die Stare waren gerade heimgekommen. Oh. wie freuten sich die hundert Engel und Elfen, und was sich noch, geladen und ungeladen, einstellte, über den herrlichen Tag, über den ersten warmen Sonnenschein und über den Hof und die freundliche Herrin, die sie zu Gast gerufen hatte. Schon waren sie am Werk und pflückten sich Veilchen, um kleine Kränze zu winden. Auf einmal horchte Frau Holle auf. “Ich höre, ich höre was”, sagte sie leise.
“Was hörst du?” fragte Frau Ostara besorgt.
“ich glaube, der Teufel ist beim lieben Herrgott und verklatscht uns!” Frau Holle hat ja so feine Ohren, die hören fast alles, was am Himmel und auf Erden vor sich geht.
“Was sollte er den verklatschen ?” Aber Frau Holle hatte gar keine Zeit zur Antwort, sie hatte alle Worte vernommen.
“Kommt rasch her und helft!” rief sie und zauberte jedem der Engel und Elfen eine winzige Schaufel in die Hand. “Jetzt müsst ihr für jede Blume, die ihr auf der Wiese gepflückt habt, wieder eine in den Garten pflanzen. Nachher könnt ihr eure Kränzlein zu Ende binden, und dann dürft ihr euch an den Kuchen setzen!” Auch das brachte den Kleinen Freude, und gleich standen sie da und ließen sich von Ostara belehren, wie sie hübsche Reihen ziehen und lauter Stiefmütterchen einpflanzen konnten – woher die kamen, weiß ich nicht, sie waren auf einmal in allen Händen.
Nun hatte die kluge Frau Holle wirklich recht gehört; der Teufel Bellhorn war zum lieben Gott gegangen, um die beiden Frauen, die ihn genasführt hatten, zu verklatschen. “ich halte Frieden, so gut ich´s kann”, beklagte er sich, “aber da sind immer Leute, die mich ärgern!” Und er erzählte, wie Frau Holle ihn auf einen falschen Weg gelockt habe, als er sich die verirrten Osterlämmer hatte zusammentreiben wollen. | Der liebe Gott hattte Mühe, sein Schmunzeln über den betrogenen Teufel zu verbergen.
“Nun”, tröstete er, “Frauen sind nun einmal so; aber man läuft doch nicht gleich mit jeder Kleinigkeit vors Gericht!”
”Das ist noch lange nicht alles!” schalt der Böse. “Die beiden, Frau Holle und Frau Ostara, richten nichts als Unheil an. Da lässt du zum Frühling überall die kleinen Blumen wachsen, und was tun die beiden? Rufen hundert Engel und Elfen, die Wiesen niederzutreten und alles abzurupfen, was du hast sprießen lassen. Wohin soll das führen? Wenn ich das getan hätte, wäre ich sicherlich längst im Loch!”
“Da muss ich wohl einmal selbst nachsehen”, sagte der liebe Gott und erhob sich seufzend. Er war ärgerlich über den Bösen, aber auch verdrossen über die beiden Frauen. So nahm er den Teufel Bellhorn, der schlecht fliegen kann, beim Kreuz und fuhr im Nu mit ihm zu Ostaras Wohnung hinab. Denn die soll die Blumen wecken und hüten und ihnen nichts antun.
Aber was glaubt ihr? Als der liebe Gott zur großen Wiese der Ostara kam, die vor ihrem Haus liegt, da sah er zwar überall kleine Tupfen, das waren ja noch die Fußstapfen der Gäste, und wahrscheinlich hatten sie wohl auch einige Blumen gepfllückt. Aber viel schöner war es, wie sie nun rund um Ostaras Haus Beete anlegten, eins neben das andere, und dazu an allen Wegrändern entlang Schleifen von Stiefmütterchen pflanzten. So eifrig waren sie am Werk, dass sie des lieben Gottes Kommen kaum bemerkten. Erst als einige von den Elfen im Apfelgarten einen Frühlingsdank anstimmten, wurden die Engel gewahr, wer zu ihnen eingekehrt war. Da ließen sie alle Arbeit ruhen und liefen fröhlich zusammen. Aber den Bösen, der hinter ihm stand, sahen sie nicht an.
“Wie schön, meine Engel lernen Blumen pflanzen!” sagte der liebe Gott heiter und grüßte die Frauen.
“Wenn sie pflücken, müssen sie auch neue einsetzen”, erklärte Frau Holle wichtig und trat zum Ewigen Vater. Und sie rief die junge Ostara, aber die schwippte gerade mit bunten Kieselsteinen nach dem Teufel.
“Es ist gut, dass du´s den Engeln beibringst, Blumen zu pflanzen”, sagte der liebe Gott noch einmal und sah den Bösen vorwurfsvoll an. Der wollte erwidern, da flog ihm etwas Hartes in den Mund, und als er´s zerbeißen wollte, zerbrach er sich einen Zahn. Und Bellhorn wurde so wütend, er nahm seinen Schwanz in die Hand, hob ihn an und fuhr mit Gestank davon. Der liebe Gott aber sah Ostara, die herbeieilte, und nickte ihr freundlich zu und mahnte, nicht nur an ihren Garten zu denken, sondern auch bald über die Felder zu gehen, wie es ihre Pflicht ist . Und Frau Holle und die Engel lobte der und segnete die Fleißigen.
|