| Einmal lebte ein kleiner Drache, der war nicht grün wie die anderen Drachen, sondern rotgetupft wie eine Himbeere. Schon früh am Morgen ging er mit seinem Korb Himbeeren sammeln. Wenn dann die anderen Drachen kamen, saß er bereits kauend in der Sonne. Und wenn die Drachen fragten, ob sie mitessen dürften, so steckte er geschwind alle Beeren in den Mund. Die anderen Drachen ärgerten sich und verspotteten ihn wegen seiner Farbe. Eines Tages hatte der Drache eine Idee. Er kaufte sich Pinsel und Farbe und malte sich von oben bis unten grün an. Da der Tag sehr heiß war, beschloss der kleine Drache in den Teich baden zu gehen. Plötzlich stürmten die anderen Drachen hinter dem Gebüsch hervor. Sie tanzten um ihn herum, spotteten ihn aus, und nun merkte der himbeerrote Drache, dass die ganze grüne Farbe durch das Wasser abgewaschen war und er wieder rot getupft war. Der kleine Drache kränkte sich sehr, er konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen packte er seinen Koffer und zog aus der Drachenstadt aus. ER ging und ging und ging – bis der in eine Stadt kam. „Hallo!“, rief der kleine Drache, aber die Menschen erschraken und rannten in ihre Häuser. Aus den Dachbodenfenstern warfen sie Blumentöpfe, Tomaten und Steine nach ihm. Traurig lief der kleine Drache aus der Stadt. Am Abend kam er zu einem Bauernhof. Die Tatzen brannten ihm, und der war sehr müde. Die Tiere im Stall begrüßten ihn freundlich – und als er einschlief, rollte sich die Katze an seinem Schwanzende zusammen und schnurrte. In der Nacht hatte der kleine Drache einen schrecklichen Traum: Er war in einem winzigen Garten eingesperrt und konnte nicht hinaus. | Draußen standen die anderen Drachen und wollten zu ihm. Ein kleines Drachenmädchen weinte. Als der kleine Drache erwachte, stand der Bauer vor ihm. Er drohte ihm mit seinem Besen – der kleine Drache floh, so schnell er konnte. Er blieb erst stehen, als er ganz weit weg war. Später fand er ein ruhiges Plätzchen. Erschöpft schlief er ein. Als er erwachte, entdeckte er ein Meisenpaar, eine Ameisenstraße, die zu einem großen Ameisenhaufen führte und zwei Wühlmäuse. Da bekam er schreckliches Heimweh. Er sehnte sich nach dem Drachenland und sogar ein wenig nach den anderen Drachen. Er setzte sich zurecht und überlegte. Dann stand er auf und machte kehrt. Abends – es war schon dunkel – erreichte er das Drachenland. Müde schlief er ein. Als er am nächsten Morgen seine Himbeeren frühstückte, kamen die anderen Drachen herbei. „Wo warst du so lange?“, fragten sie ihn. „Fort“, sagte er. „Und wo?“, fragte das Drachenmädchen, von dem er geträumt hatte. „Weit“, sagte er. Das kleine Drachenmädchen kratzte sich hinter dem Ohr und sagte leise, damit nur der kleine Drache es hören konnte: “Du bist mir sehr abgegangen, kleiner Drache. Und überhaupt: es stört mich nicht mehr, dass du rot getupft bist wie eine Himbeere.“ Darüber freute sich der kleine Drache sehr. Und plötzlich hatte er eine Idee: Er schüttete den vollen Himbeerkorb auf den Boden und lud alle Drachen zum Essen ein. Zur Feier des Tages dichtete das kleine Drachenmädchen ein Lied: „Himbeeren am Morgen vertreiben alle Sorgen. Auch mit roten Tupfen kann man hupfen.“ Das Lied singen die Drachen heute noch, wenn sie hüpfen und sich freuen. |