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Das Spiel

Autor: Daniela Kastner
( Dipl. Ergotherapeutin )

Die Geburt eines Kindes ist wie der Beginn der Blütezeit einer Blume, etwas Einzigartiges beginnt zu leben, und mit Freude und ein bisschen Wehmut ist zu sehen wie das, was da beginnt jeden Tag in sich aufnimmt, als wäre es der erste und gleichsam der letzte.
Spieldefinitionen:

Das Spiel ist Ausdruck der sensomotorischen, kognitiven und psychosozialen Entwicklung.
Das Spiel ist die kindliche Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt.
Spielen bedeutet, etwas nur zur Freude zu machen, Spaß und Vergnügen zu haben.
Spielen ist eine Tätigkeit oder ein Verhalten, das frei gewählt ist und frei von äußeren Zwecken ist.
Spielen heißt, sich für kurze Zeit losgelöst vom Alltag fühlen.
Spielen heißt Auslotung aller Ebenen der Wirklichkeit. Spielen verschafft einen Zugang zur „Welt“. Spielen ist ein Ausdruck des eigenen „Selbst“.
Spielen heißt Umsetzung der individuellen Kreativität und Errichtung einer Phantasiewelt.
Spielen heißt „Kommunikation“ mit Gedanken, Dingen und Personen.
Spielen ist für alle wichtig, auch für Erwachsene, um das Leben vor Trübsinn und Sinnlosigkeit zu retten.


Ein wichtiges Hauptmerkmal des Spiels ist jenes, dass das Spiel Sinn und Zweck in sich selbst trägt, d. h. dass durch das „reine Spielen“ eine echte Wirklichkeit erzeugt wird, die somit nicht weniger wirklich als andere Wirklichkeiten des Lebens ist. Die kindlichen Spielhandlungen sind auf die Spielziele und Ergebnisse, vor allem aber auf das Kind selbst bezogen. Obwohl sich die Ziele des Kindes während des Spiels häufig ändern, ist das Spiel trotzdem der beste kindgerechte Ausdruck des psychischen Geschehens. Spielende Kinder erzeugen und gestalten somit ihre Wirklichkeit. Nirgendwo strengen sich Kinder mehr und ausdauernder und mit eigener Aktivität an, als im Spiel, um ein eigenes Ziel zu erreichen. Damit ein Kind jedoch von sich aus spielt, bedarf es eigener Bedingungen. Eine wichtige Voraussetzung ist zuallererst die eigene Motivation als auch die nähere Umgebung, d.h. die entsprechenden Spielgegenstände. Eine reizarme Umgebung ohne Spielmaterialien kann das kindliche Spielbedürfnis ebenso hemmen, wie eine Reizüberflutung mit einem Überangebot an Spielzeug. Spielmotivation und Spielumgebung beeinflussen sich dennoch gegenseitig. Wichtig ist, dass dem Kind ein „Spielraum“ gegeben wird, der folgendes beinhaltet:



genügend Zeit für das Spielen
Verfügbarkeit von Gegenständen und Orten
Akzeptanz kindlichen Spielens durch die Erwachsenen
Toleranz der Spieldauer
echtes Interesse am Spielergebnis
positive Bewertung der Spieltätigkeit
Zurückhaltung und Nichteinmischung
Hilfestellung auf Wunsch des Kindes.


Die oben genannten Merkmale sind Voraussetzung dafür, dass sich das Kind im Spiel entfalten kann. Weiters hängt die Bedeutung des Spielens auch von persönlichen Erleben des Kindes während der Tätigkeit ab.




Das Spiel unterteilt man in folgende Arten :

Funktionsspiel
Konstruktions-, Produktions- und Getaltungsspiel
Explorationsspiel
Rollenspiel
Regelspiel
Gruppenspiel



Das Funktionsspiel beginnt bereits im 1. Lebensjahr. Das Kind spielt mit dem eigenen Körper (strampeln, betasten, klopfen, schlagen, lutschen, Greifbewegungen, Lautspiele) später auch mit Gegenständen seiner Umwelt. Es ist sehr wichtig für die Entwicklung der Körperwahrnehmung als auch für die Perfektionierung von Bewegungsabläufen. Voraussetzung für das Funktionsspiel ist die normale motorische Entwicklung. Das Spiel ist dadurch gekennzeichnet, dass sich das Kind an der Funktion der Dinge erfreut, dass das Spiel von externen Reizen als auch der eigenen Motivation und Experimentierfreude abhängig ist. Motivation und Emotion verschmelzen hierbei in der Funktionslust d.h. sowohl die Lust Erfahrungen sammeln, als auch durch das eigene Hantieren Verursacher dieser Erfahrungen zu sein, z.B. das Bewegen einer Rassel.

Das Gestaltungsspiel, Konstruktionsspiel: Dies beginnt etwa ab dem 2. Lebensjahr und ist gekennzeichnet durch eine klare Zielvorstellung, Ideenbildung, Handlungsplanung und Umsetzung.
Das Konstruktionsspiel ist ein planvolles Tun z.B. einen Turm bauen, Lego, Steckspiele, Farb- und Formspiele, einfache Puzzles. Voraussetzungen für eine aktive und sinnvolle Gestaltung des Konstruktionsspiel sind neben der normalen, motorischen Entwicklung und Entwicklung der Sinnessysteme, die Entwicklung der Hand-Hand, Hand-Auge Koordination, eine abgeschlossene Experimentierphase als auch die Fähigkeit, Handlungen sich vorstellen und planen zu können. Verbesserte wird im Gestaltungspiel die Hand-Hand und die Hand-Auge Koordination und Greiffunktion als auch das Problemlösungsverhalten geschult, das Vorstellungsvermögen und die Handlungsfähigkeit geschult.

Das Explorationsspiel: Dies beginnt, sobald die Hände willkürlich ins Blickfeld gebracht werden. Es kommt dabei vorwiegend zum Spiel mit den Händen, als auch zum Spiel mit verschiedenen Materialien und Dingen – dies führt zum aktiven Erkunden, Erfahrung sammeln über Größe, Gewicht, Oberflächenstrukturen, Geräuschen... Das Spiel wird materialspezifischer, die Tätigkeit, nicht das Ergebnis steht im Vordergrund. Es kommt zum Hantieren mit Gebrauchsgegenständen wie öffnen, auseinandernehmen, schließen. Wichtig ist das Explorationsspiel für das Einüben zielgerichteter Bewegungen, als auch Informationssammlung über Materialien und Dingen, ihrer Beschaffenheit und Verwendungsmöglichkeiten. Voraussetzung ist eine normale, motorische Entwicklung, als auch intaktes Funktionieren der Sinnessphäre und ein Interesse des Kindes am Tun.

Das Rollenspiel: Dies beginnt ca. ab dem 2 – 3 Lebensjahr, erreicht den Höhepunkt ca. mit 4 Jahren. Ab dem 5 – 6 Lebensjahr wird das Rollenspiel dann realitätsbezogener. Typisches Merkmal des Rollenspiels ist der Einsatz von Symbolen, welche vom Kind benutzt werden, um Erlebtes und Erfahrens nachzugestalten. Die Nachgestaltung der Rolle ist der eigentliche Spielinhalt, Symbole werden lediglich als Mittel zum Zweck benutzt. Das Kind übernimmt eine bestimmte Rolle (Vater, Mutter, Arzt...) und versetzt sich gänzlich in die Welt des Rollenträgers. Auf diese Weise probiert es verschiedene soziale Verhaltensformen der Umwelt aus und lernt dadurch deren Anforderung und Eigenart kennen. Außerdem ermöglicht das Rollenspiel dem Kind, affektgeladene Situationen (Unlust, Aggression, Angst..) spielerisch zu imitieren und auf diese Weise vorhandenen psychische Spannungen zu vermindern. Voraussetzungen dafür sind eine abgeschlossene sensomotorische Entwicklung, ein Verstehen und Nachahmen von Handlungsabläufen, als auch ein intaktes Symbolverständnis. Das „Ich“ des Kindes muss jedoch vorher gut erfahren worden sein. Verbessert werden mit dem Rollenspiel folgende Funktionen: Sozialisation, Auseinandersetzung mit Problemen und Meinungen anderer, Selbständigkeit, Selbstbewusstsein, Situationsbewältigung, Anpassung des Erlebten an die eigene Denk- und Erlebnisform.

Regelspiel: Dies beginnt ca. ab dem 5. Lebensjahr. Regelspiele folgen bestimmten, verbindlichen Regeln, sie sind zielorientiert, und die Spielinhalte werden durch das Spiel und die Spielmaterialien festgelegt. Die Unterordnung unter eine Regel bzw. das Ertragenkönnen von Niederlagen stellen an die Selbstbeherrschung hohe Anforderungen. Spielregeln werden entweder angenommen, können aber auch umgestaltet oder abgewandelt werden. Ein Merkmal zieht sich durch alle verschiedenen Spielarten. Die Kinder gestalten durch das Spiel ihren Bezug zur Wirklichkeit. Das Spiel ist die kindliche Art und Weise, den eigenen, persönlichen und individuellen Wirklichkeitsbezug aktiv zu schaffen, zu gestalten und für die Dauer des Spiels aufrecht zu erhalten. Das kindliche Spiel trägt zur Entfaltung des aktiven Erlebens und zur Gestaltung der kindlichen Lebensereignisse durch das Kind zu einer optimalen Entwicklung bei.

Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.

Verwendete Literatur: Das kindliche Spiel, Hans Mogel
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